Auswertung Fragebogen
Es füllten 7 Lehrpersonen den Fragebogen aus, die aktuell unterrichten. Die folgenden Erläuterungen beziehen sich auf konkrete Beispiele, die nicht verallgemeinert werden können. Die Situationen sind je nach Schule und Lehrperson anders. Deshalb kann es im unteren Teil vorkommen, dass die gleiche Situation aus zwei unterschiedlichen Sichtweisen beschrieben wird.
Gängige Situationen im Schulalltag
Gerade muslimische Jugendliche reagieren auf das Thema Religion sehr sensibel. Deshalb finde ich es als Lehrperson wichtig, unbedachte, wertende oder herablassende Äusserungen zu vermeiden.
Ramadan
Oft merken es die Lehrpersonen, wenn die Jugendlichen Ramadan machen. Dann sind sie oft sehr müde und antriebslos. In diesem Fall sollte versucht werden Verständnis zu zeigen und im Hinterkopf zu haben, dass die Jugendlichen am Fasten sind. Der Ramadan wird im Schulalltag berücksichtigt und akzeptiert. Zum Beispiel beim Sport oder auf Schulreisen kann es schwierig werden, da manche SuS körperlich nicht sehr bei Kräften sind. Meinstens ist das Fasten für die Jugendlichen sehr wichtig. Viele Jugendliche betonen dies und sprechen im Unterricht oder mit Mitschülerinnen und Mitschüler darüber. Sie sind stolz auf ihre Wurzeln und schätzen es, dass sie bei diesem Ritual mitmachen können. Es ist Teil ihrer Kultur, Religion und Identität.
Sportunterricht
Im Sportunterricht (v.a. Schwimmen) braucht es viel Feingefühl. In manchen Situationen kann es schwierig sein abzuschätzen, ob eine SuS die Sportart nicht mag und deshalb die Religion als „Vorwand“ braucht. Da sollte bei den Eltern nachgefragt und die Situation mit ihnen besprochen werden. Wenn eine Schülerin z.B. nicht an einem Badibesuch teilnehmen darf, werden Alternativen gesucht und sonst freie Halbtage bezogen, die bewilligt werden.
Lager
Wenn ein muslimisches Kind nicht an einer Landschulwoche teilnehmen darf, so kann die Lehrperson mit den Eltern das Gespräch suchen und versuchen sie zu überzeugen, dass eine Landschulwoche ein wertvolles Erlebnis ist. Schlussendlich entscheiden die Eltern. Das Kind besucht dann entweder den Unterricht in einer anderen Klasse oder kriegt Aufgaben, welche es zu Hause lösen kann. In der Oberstufe können sich die SuS auch eine Schnupperlehre organisieren (was häufig jedoch nicht ohne Unterstützung der Lehrperson klappt). Im Lager, in der Tageschule, bei anderen Anlässen oder bei der Vergabe von kleinen Preisen z.B. beim Spielen sind die Lehrpersonen sich bewusst, dass diese Kinder kein Schweinefleisch essen (auch keine Gelatine in Gummibärchen). Es wird geschaut, dass es Ersatzprodukte (für Schweinefleisch oder Gelatine) gibt.
Musikunterricht
Auch im Musikunterricht braucht es je nach Liederwahl Feingefühl. Beispielsweise beim Weihnachtssingen wollen manchmal islamische SuS nicht mitsingen, da sie Weihnachten nicht feiern.
Adventszeit
Die Weihnachtszeit wird in der Schule neutral gehalten. Die Kinder können erzählen, wie sie feiern oder nicht. Es werden keine Krippenspiele durchgeführt.
Kopfbedeckung
Schülerinnen dürfen ein Kopftuch tragen. Es wird schwierig, wenn das Kind dies gar nicht will. Die Lehrperson kann die Kommunikation suchen. Sonst kann sie nicht viel machen, da dies private Angelegenheiten sind. Solange das Kind noch nicht 18 Jahre alt ist, entscheiden die Eltern.
Verhaltensvorgaben an der Schule
Die SuS müssen trotz Ramadan am Unterricht teilnehmen und sich dementsprechend auch körperlich beteiligen. Sonst gibt es keine Verhaltensvorgaben an der Schule. Verschiedene Religionen gehören zum Alltag. Wichtig ist, dass alle tolerant damit umgehen.
Elternarbeit
Unstimmigkeiten Eltern – SuS
Wenn es zu Unstimmigkeiten zwischen Eltern und SuS kommt, ist es wichtig mit beiden Seiten zu sprechen. Schlussendlich entscheiden die Eltern, doch wenn die Unstimmigkeit besprochen, diskutiert und abgewägt wird, kann hoffentlich gemeinsam eine Lösung gefunden werden, die für alle stimmt.
Interessenskonflikte
Wenn sich bei Konflikten die Eltern nicht kooperativ zeigen und sie mit der Lehrperson keine Lösung finden wollen, ist einen Austausch mit anderen Lehrpersonen, die an der Klasse unterrichten sicherlich sinnvoll. Somit können verschiedene Meinungen angehört werden. Wenn man nach einem weiteren Gespräch mit den Eltern nicht weiterkommt, muss unbedingt die Schulleitung beigezogen und allenfals das Schulinspektorat kontaktiert werden. Wenn der Vater die Mutter nicht einbezieht und die weibliche Lehrperson nicht akzeptiert, sollte auch die Schulleitung informiert werden und eine männliche Lehrperson dazugezogen werden.
Kommunikation Eltern – Schule
Zitat einer Oberstufenlehrerin: „Ich habe noch nie erlebt, dass islamische Eltern Forderungen gestellt haben. Ich fühle mich auch als Frau gut respektiert, wenn ich hauptsächlich mit den Vätern Elternkontakt habe. Wenn die Väter allerdings zwischen mir und meinem männlichen Kollegen (wir führen die Klasse im Team) wählen können, ist mein Kollege die erste Anlaufstelle, habe ich den Eindruck. Könnte aber auch sein, dass ich mir das nur einbilde.“
Informationen der Schule an die Eltern
Die Eltern werden durch ein Schreiben betreffend der Regelung des Ramadans an der Schule informiert. Dies beinhaltet, dass der Ramadan akzeptiert wird, aber die SuS sich am Unterricht, auch im Sport und auf Schulreisen, beteiligen müssen. Allerdings wird dieses Schreiben nur verteilt, wenn der Ramadan zum Thema wird. Sonst erhalten die Eltern von der Schule keine Informationen betreffend der Religionen.