Gespräche mit Eltern
Situationen:
Die richtige Kommunikation mit den Erziehungsberechtigten löst manche potenziellen Herausforderungen rasch auf. Manchmal kann die Geschlechterrolle des Islams in solchen Situationen Schwierigkeiten verursachen und auf beiden Seiten Unsicherheiten auslösen.
Vorgehen:
- Wichtig ist erstmal: «Jede/r Schüler*in, jede Familie, jede Situation ist anders und soll deswegen auch individuell behandelt werden.» (Ahmadi, 2017)
- Möglichst vorurteilsfrei in Gespräche hineingehen
- Den Eltern klarmachen, dass man die Ansprechperson für ihr Kind ist, und das Wohlergehen dieses ihnen wichtig ist.
- Besteht eine sprachliche Barriere ist es wichtig externe Unterstützung beizuziehen.
- Falls eine kommunikative Barriere entstehen sollte, kann ein kulturverständigen Mediator beigezogen werden.
Ramadan
Situationen:
Im Unterricht kann es einerseits zu Leistungseinbrüchen kommen, dies fällt hauptsächlich im Sportunterricht ins Gewicht. Andererseits entsteht unter Umständen im WAH-Unterricht ein Interessenkonflikt.
Vorgehen:
- Erstmal keine Angst vor negativen Auswirkungen auf die Lernenden haben, denn auch die Eltern haben das Wohl der Kinder im Blick und es bestehen viele Möglichkeiten das Fasten anzupassen.
- Dem Thema gegenüber positiv auftreten auch um nicht das Vertrauen zu verlieren und von den Eltern nicht mehr über das Fasten informiert zu werden.
- Im Sportunterricht können generell weniger anstrengende Übungen gewählt werden oder individuelle Absprachen mit den Fastenden getroffen werden. Wichtig ist, dass die Fastenden die Möglichkeit erhalten individuelle Pausen einzulegen.
- Im WAH können sich die Fastenden entweder mit einem alternativen Programm befassen. Zum Beispiel etwas theoretisches Erarbeiten und den Mitschüler*innen anschliessend vortragen. Alternativ können sie auch mitkochen und sich beim Essen anderweitig beschäftigen.
- Fällt der Ramadan auf eine Klassenfahrt kann das Gespräch mit den Eltern gesucht werden, ob allenfalls das Verschieben der Fastenzeit eine Option ist. Alternativ sollte abgewogen werden ob die Reise auch so zumutbar ist oder alternativ eine Unterbringung in einer Parallelklasse eine Option ist.
Klassenlager
Situationen:
Bei Klassenlager stehen vor allem falsche Vorstellungen einer Teilnahme von muslimischen Kindern und Jugendlichen im Weg. So haben mache muslimische Eltern Klassenlager als Veranstaltungen mit Geschlechter gemischten Zimmern und Alkoholkonsum vor Augen. Zudem kann die Frage des Gebets und die Speiseregeln ein Hindernis darstellen.
Vorgehen:
- Den Ängsten und Vorstellungen der Eltern, wird am besten mit einer transparenten Kommunikation begegnet.
- Mit den Eltern nach Lösungen suchen um die Teilnahme zu ermöglichen. (Begleitpersonen beider Geschlechter, Essensplan, Möglichkeiten für das Gebet schaffen…)
- Wollen die Eltern ihre Kinder oder Jugendliche nicht ins Klassenlager mitschicken, ist dies Problemlos möglich. Diese Besuchen in dieser Zeit einfach den Unterricht in einer Parallelklasse
Sport-/Schwimmunterricht
Situationen:
Der Schwimmunterricht kann in seltenen Fällen bei muslimische Eltern auf Ablehnung stossen. Der Auslöser dafür sind die geschlechtergemischten Badeanstalten. Eine Dispensation vom Schwimmunterricht ist nur unter Umständen möglich.
Vorgehen:
- Das Gespräch mit den Eltern suchen um die Ängste zu ergründen.
- Den Schwimmunterricht geschlechtergetrennt durchführen
- Möglichkeiten Aufzeigen wie lange Badehose, Burkini, Neoprenanzug, Einzelduschen…
Kopftuch
Situationen:
Manche muslimische Glaubenspraktiken, sehen das Tragen eines Kopftuchs für Frauen vor. So kann es sein, dass muslimische Lernende sich entscheiden im Unterricht ein Kopftuch tragen. Dies ist momentan gesetzlich erlaubt. Aufgrund des starken Politikums welches dieses Thema ist, könnte sich dies allerdings auch ändern. Es kann zu starker Aufmerksamkeit oder auch Hänseleien kommen, wenn ein Mädchen oder eine Jugendliche sich entscheidet Kopftuch zu tragen.
Vorgehen:
- Möglichst neutral begegnen – das Kopftuch nicht als Zeichen von Frauenunterdrückung ansehen.
- Das Gespräch mit der Lernenden suchen und herausfühlen wie es ihr damit ergeht. Herausspüren was die Beweggründe für das Kopftuchtragen sind und wie sie mit den Reaktionen der Peers klar kommt. Dabei immer viel Feingefühl walten lassen.
- Ist die Lernende dazu bereit, kann sie beispielsweise in der klasse einen kleinen Vortrag dazu halten.
- Wird Zwang von Seiten der Eltern bemerkt, kann unter Absprache mit der Lernenden auf eine lokale Beratungsstelle verwiesen oder ein Elterngespräch angeboten werden.
- Kommt es zu einem Elterngespräch, die Thematik ohne Anklage und vorurteilsfrei angehen.
Weihnachtszeremonien
Situationen: Für manche muslimische Familien stellen Weihnachtszeremonien an der Schule und insbesondre die Zentrierung auf Jesus Christus in Weihnachtsliedern eine Schwierigkeit dar.
Vorgehen:
- Die Anliegen und Ängste der Eltern und Lernenden ernst nehmen und das Gespräch mit ihnen suchen.
- Lieder singen, welche die universelle Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit übermitteln. Dabei auch Lieder mit ähnlichen Botschaften aus anderen Kulturen und Religionen einbauen.
- Kompromissbereit sein (Anpassungen im Programm vornehmen, Lernende bei Aufführungen neutrale Rollen zuteilen, Schwierige Verse aussetzen lassen…)
Sexualkundeunterricht
Situationen: Es kann vorkommen, dass Eltern ihre Kinder oder Jugendlichen vom Sexualkundeunterricht dispensieren lassen. Ob dies möglich ist, ist Sache der Kantone. In Bern können die Eltern dies mit einer schriftlichen Mitteilung machen.
Vorgehen:
- Meist reicht ein Gespräch mit den Eltern um falsche Vorstellungen aufzulösen. Dabei sollte Einblick in das Lehrmittel und den Unterrichtsablauf gegeben werden.
- Möglicherweise können Abbildungen ersetzt werden.
- Das Unterrichten in geschlechtergetrennten Gruppen durch gleichgeschlechtliche Lehrpersonen kann auch helfen und ist auch für andere Lernende vorteilhaft.
Mobbing
Situationen: Die westliche Meinung gegenüber dem Islam ist sehr aufgeheizt und viele Personen haben gegenüber dem Islam viele Vorurteile. Diese aber auch eine generelle Skepsis gegenüber migrierten Personen, bilden einen guten Nährboden für Mobbing.
Vorgehen:
- Werden rassistische oder anderweitig diskriminierende Äusserungen im Klassenzimmer bemerkt. Muss rasch reagiert werden. Entweder Klassenintern oder bei grösserem Ausmass kann auch eine Schulhausweite Thematisierung und Aufarbeitung angebracht sein.
- Präventiv kann gemeinsam mit den Lernenden ein Verhaltenskodex erarbeitet werden.
- Die Lernenden im Umgang mit Medien sensibilisieren
- Gesellschaftsrelevante Themen zum Islam im Unterricht aufgreifen. Wichtig ist dabei die muslimischen Lernenden nicht zu nötigen sich dazu zu äussern.
Begrüssungsformen
Situationen: Es kann vorkommen, dass muslimische Eltern das Händeschütteln des anderen Geschlechts ablehnen.
Vorgehen:
- Sich klar machen, dass dieser Wunsch für das Gegenüber keine Respektlosigkeit darstellt.
- Sich selber klar machen, ob auf den Händedruck verzichtet werden kann. Insbesondere wenn die Haltung der Eltern ansonsten offen und wohlwollend ist.
- Nicht gekränkt reagieren und das Gegenüber nach den Beweggründen Fragen. Allenfalls kann eine alternative Form der Respektsbekundung gefunden werden (Hand aus Herz, Lächeln…)
Quelle
Zeinab Ahmadi, 2017, Der Umgang mit muslimischen Schülerinnen und Schülern an Berner Schulen, Eine Entwicklungsarbeit, Masterarbeit eingereicht an der PH Bern